Illustration: Was ist Catcalling? Bedeutung, Beispiele & Abgrenzung zum Flirten
Ein Artikel von Andreas Lorenz

Catcalling bezeichnet sexualisierte Zurufe, Pfiffe, Hupen oder anzügliche Kommentare gegenüber Menschen im öffentlichen Raum – meist gegenüber Frauen. Es ist unerwünscht und gilt als Form von Belästigung, nicht als Flirt.

Der englische Begriff bedeutet wörtlich „Katzenrufe“. Gemeint ist das Hinterherrufen oder -pfeifen, ohne dass die Angesprochene Interesse gezeigt hätte. Für Betroffene fühlt sich das häufig bedrohlich, erniedrigend oder einschüchternd an, selbst wenn der Rufer es „als Kompliment“ meint.

Typische Beispiele für Catcalling

  • Pfeifen oder Rufen auf der Straße („Hey, Süße!“)
  • Anzügliche Kommentare über Körper oder Kleidung
  • Hinterherlaufen und wiederholtes Ansprechen trotz Ablehnung
  • Hupen aus dem Auto oder Nachrufen aus einer Gruppe

Warum Catcalling kein Flirt ist

Flirten ist ein beiderseitiges Spiel. Beim Catcalling fehlt genau das: Die angesprochene Person hat nicht zugestimmt, kann sich nicht entziehen und wird zum Objekt gemacht. Zudem sind die Kommentare meist anonym und folgenlos für den Rufer. Das erzeugt ein Machtgefälle.

Viele Frauen berichten, dass sie ihr Verhalten ändern: andere Wege nehmen, Kopfhörer tragen oder bestimmte Kleidung meiden. Das zeigt, wie stark Catcalling in den Alltag eingreift.

Ist Catcalling strafbar?

In Deutschland gibt es keinen eigenen Straftatbestand speziell für Catcalling. Je nach Inhalt kann es aber als Beleidigung oder sexuelle Belästigung strafbar sein, etwa bei Berührungen, Nachstellen oder erniedrigenden Äußerungen. Einzelne Länder haben eigene Regelungen eingeführt. Für eine rechtliche Einschätzung im Einzelfall wende Dich an eine Beratungsstelle oder Anwältin bzw. Anwalt.

Was ist der Unterschied zu respektvollem Ansprechen?

  • Auf Augenhöhe: Du gehst auf die Person zu, statt ihr nachzurufen.
  • Höflich und offen: Du stellst Dich vor oder stellst eine Frage und akzeptierst ein Nein sofort.
  • Kein Körperkommentar: Du sprichst die Person als Mensch an, nicht ihr Aussehen.
  • Passender Moment: Du achtest darauf, ob Zeit für ein Gespräch ist.

Wie Ansprechen gelingt, ohne zu belästigen, zeigt mein Ratgeber Frauen ansprechen.

Was können Betroffene tun?

  • Ruhe bewahren und Abstand halten, wenn möglich.
  • In belebte Bereiche gehen oder Hilfe von Passanten holen.
  • Bei Bedrohung oder Verfolgung den Notruf 110 wählen.
  • Vorfälle mit Datum, Ort und Beschreibung festhalten.

Warum Männer catcallen – und was sie dabei übersehen

Manche Männer halten Catcalling für harmlos oder für ein Kompliment. Oft steckt Gruppendruck, Unsicherheit oder der Wunsch nach Aufmerksamkeit dahinter. Was dabei übersehen wird: Die Wirkung zählt, nicht die Absicht. Wer tatsächlich Interesse hat, erreicht mit einem Zuruf nichts – im Gegenteil, er schließt jede Chance aus.

Beispiel: Gleiche Absicht, anderes Ergebnis

Ein Mann sieht eine Frau an der Ampel. Variante A: Er ruft ihr im Vorbeigehen einen Spruch nach. Sie fühlt sich beobachtet und geht schneller weiter. Variante B: Er tritt freundlich neben sie und sagt: „Entschuldige, ich wollte Dir nur sagen, dass Du mir gerade aufgefallen bist. Ich bin Tim.“ Sie kann nun selbst entscheiden, ob sie das Gespräch möchte. Genau dieser Unterschied trennt Belästigung von Flirt.

Wenn Du lernen möchtest, wie Du respektvoll Kontakt aufnimmst, ist das mit Übung und Haltung gut möglich.

Fazit

Catcalling schadet allen: Es verletzt Betroffene und vergiftet das Klima für respektvolles Kennenlernen. Wer Interesse hat, spricht höflich an – und akzeptiert ein Nein.